Ich hielt das kleine Mädchen fest in meinen Armen und spürte durch den dünnen Stoff seines Shirts, wie sein Herz gegen meines schlug. Es war ein seltsamer Abend, der nach feuchtem Herbstlaub und Rauch roch, und etwas in meiner Brust war wärmer als jede Angst, die ich je gespürt hatte. Ich rannte zum Schrank, holte ein sauberes Glas und stellte es auf den Tisch, während mein Blick immer wieder zu dem Kind wanderte. Dann klopfte ich heftig an die Tür nebenan und rief: „Ich muss ins Krankenhaus, nach Prokocim!

“ – „Oma bringt dich zum Doktor“, flüsterte ich dem Kleinen zu und eilte hinaus. Unterwegs rief ich meine Mutter an: „Mama, fahrt nach Prokocim, mein Schatz! “ Als wir ankamen, sprang ich mit dem Kind auf den Armen aus dem Auto und stürmte in die Notaufnahme: „Hilfe, ein einjähriges Kind, Flecken am ganzen Körper! “ Ich sank auf einen Plastikstuhl, der am Boden festgeschraubt war, und ließ die Gedanken wandern.
Ich dachte an Kinga, die ich als Baby in derselben Wiege gewiegt hatte, an ihre ersten Zähne, ihre ersten Schritte, an den Spaziergang durch den Park, als sie meine Hand umklammerte. Ich fragte mich, ob ich einen Fehler gemacht hatte. Minuten vergingen, vielleicht zwanzig, vielleicht zwei Stunden. Mein Herz pochte bis zum Hals.
Dann kam Kinga herein, sank auf einen Stuhl und presste die Hand auf den Mund. Ich sagte leise etwas zu ihr, und sie sah mich an und nickte mit einem Respekt, den ich nie vergessen werde. Kinga fiel mir um den Hals, und zusammen warteten wir. Sie legten das Kind an Tropfen mit Antibiotika und an piepende Monitore.
Erst am Morgen ließen sie uns für ein paar Minuten hinein, jeweils zwei Personen. Das Kind lief zu mir, und ich nahm seine Hand, dieselben Hände, denen ich einst das Schnürsenkelbinden beigebracht hatte. Die Wahrheit aber, so lernte ich, lässt sich nicht wieder verstecken, wenn sie erst einmal ans Licht kommt. Das Kind wurde gesund entlassen, laut, hungrig nach Leben und mit Appetit auf alle Kekse der Welt.
Ich half Kinga beim Auspacken, und sie verließ das Krankenhaus mit dem Kind auf dem Arm und einem einzigen Koffer – durch dieselbe Tür, durch die sie früher oft mit gesenktem Kopf gegangen war. Später, als das Kind zwei Jahre alt war und dunkle Augen hatte, kam es mit einem Bilderbuch zu mir und kletterte auf meinen Schoß. Kinga stand in der Küche, lachte am Telefon mit einer Freundin.
In jener Nacht lernte ich etwas, das ich mein Leben lang nicht vergessen werde.