„Du nutzloser alter Mann, wenn du heute nicht die vollen Euro heranschaffst, dann gnade dir Gott – und heute Nacht schläfst du draußen im Hundezwinger, nur mit dem billigen Fusel. “
Das war der gute Morgen, den mir mein Schwiegersohn Jens Schröder widmete. Mir, Klaus Bäcker, einem Architekten, der einst die Hälfte dieses Viertels in Hamburg Eimsbüttel entworfen hat. Jetzt sitze ich zusammengekauert am Fuße der Hauptkirche St.

Michaelis. Ich verstecke mein blau geschlagenes Gesicht unter dem zerfetzten Rand eines Hutes und halte einen zitternden Pappbecher ausgestreckt, um die Touristen und Gläubigen um Almosen zu bitten. Meine Tochter Sandra weiß davon, aber sie entscheidet sich zu schweigen, um den vermeintlichen Familienfrieden zu wahren. Mensch, das Leben hat einen schwarzen Humor, aber diese Geier haben einen tödlichen Fehler gemacht.
Sie wissen nicht, dass mein Sohn – jener Sohn, von dem sie glaubten, er hätte mich im fernen München im Stich gelassen – direkt hinter mir steht. Und was in den nächsten 24 Stunden passieren wird, ist nicht nur Rache, es ist ein Erdbeben, das die ganze Sippe der Schröders nicht einmal in ihren Träumen hätte voraussehen können. Die Sonne knallte auf den Platz vor dem Michelle. Die Augusthitze in Hamburg brennt nicht nur, sie ist drückend, sie liegt auf den Schultern wie eine glühende Betonplatte.
Der beißende Geruch von heißem Asphalt, gemischt mit dem Fett frittierter Speisen und dem Rauch des Weihrauchs, der aus den großen Kirchentüren strömte, schuf eine dichte, beinahe erstickende Atmosphäre. Ich saß zusammengerollt in einer dunklen Nische in der Nähe von Tor 4, wo der Schatten der alten Steinmauer meinen betagten Körper schützte. Ich zog meinen ausgefransten Strohhut tiefer ins Gesicht, um die linke Gesichtshälfte zu verbergen. Unter dem Leinenhemd, das einst mein ganzer Stolz bei Hochzeiten und Taufen war, lief mir der Schweiß in Strömen herunter und brannte auf den frischen Blutgüssen, die mir Jens gestern verpasst hatte.
„1 Euro bitte… Um Gottes Willen…“, sagte ich, meine Stimme war heiser. Der Pappbecher in meiner Hand zitterte unkontrolliert. Ich zählte das Kleingeld: 10, 20, 37 Euro. Mehr war an diesem Tag nicht hereingekommen.
Der Name kam wie ein bitterer Schleim aus meinem Mund. Jens hatte all meine Architektenpläne und meine Lebensmodelle in den Müll gestopft, um Platz für leere Bierkartons und schmutzige Kleidung zu schaffen. Es ist zu sehen, wann der Bösewicht merkt, dass er all seine Macht verloren hat – aber dazu muss man erst den richtigen Moment abwarten. Mein Limit beträgt eine Million Euro.
Das ist die Summe, die Jens mir abgepresst hat, bevor er mich auf die Straße warf. Er suchte in all seinen Fantaschen nach dem letzten Rest an Würde, den ich noch besaß. Aber dann kam die Nachricht, die alles veränderte: Sie sagen, Jens schuldet 500. 000 Euro aus Wettschulden.
Und dann hörte ich von dem Schadensersatz von 250. 000 Euro an Klaus Bäcker – das war mein eigener Name, den er als Bürgschaft missbraucht hatte. Ich bin so neugierig, von wo all die lieben Menschen hierher finden. Vielleicht ist es das Schicksal, das mich hierher geführt hat, genau an diesem Ort, an dem mein Sohn hinter mir steht.
Was ich jetzt tun werde, wird nicht nur mein Leben verändern – es wird die gesamte Schröder-Familie in den Abgrund stürzen. Ich habe die Beweise, die Konten, die Unterschriften. Und ich habe meinen Sohn, der bereit ist, zu kämpfen. Die nächsten 24 Stunden werden zeigen, wer wirklich zählt.
Und wenn Jens glaubt, er hätte mich erledigt, dann hat er sich gewaltig geirrt. Ich habe noch nicht aufgegeben. Ich werde zurückkommen – und diesmal bin ich es, der die Regeln bestimmt.