Mitten in der Nacht riss mich das Telefon aus dem Schlaf. Es war mein Sohn Stefan, und seine Stimme klang, als würde er gleich zerbrechen: „Mama, verlass sofort das Haus. Mach kein Geräusch.“ Ich…

Es war zwei Uhr morgens, und ich war mit meinem dreijährigen Enkel Max allein zu Hause, als mein Sohn Stefan mich anrief. Seine Stimme klang gehetzt und verzweifelt. „Mama, verlass sofort das Haus und mach kein Geräusch. “ Ich fragte zitternd, was los sei, aber er antwortete nur: „Es bleibt kaum noch Zeit.

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Ich hob den schlafenden Max auf den Arm und schlich zur Tür. Doch der Türgriff ließ sich nicht bewegen. Die Tür war von außen verschlossen. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken.

Dann kroch ein stechender Geruch durch den Spalt: Benzin. Ich drückte Max fester an mich und trat zurück. Durch den Türspalt sah ich ein orangefarbenes Licht aufleuchten. Dann das Klicken eines Feuerzeugs.

Sekunden später brach das Feuer aus. Der Rauchmelder schrillte, Max wachte auf und schrie vor Angst. Ich rannte mit ihm ins Bad, hielt ein nasses Handtuch über sein Gesicht und flüsterte: „Atme, mein Schatz, atme. “

Die Hintertür war blockiert, die Fenster mit Holzbrettern vernagelt.

Meine letzte Hoffnung war das kleine Küchenfenster zum Garten. Ich stellte Max an die Wand, packte einen schweren Stuhl und schlug damit das Glas ein. Mit zitternden Händen wickelte ich Max in eine Tischdecke, kletterte durch den Rahmen und sprang ins feuchte Gras. Ein Glassplitter schnitt meinen Arm, aber wir waren draußen.

Die Sirenen näherten sich. Feuerwehr, Polizei und ein Krankenwagen füllten die Straße. Als Stefan aus dem Wagen sprang, war sein Gesicht blass wie Papier. Er rannte auf uns zu, kniete neben Max nieder und untersuchte ihn mit zitternden Händen.

„Mir geht es gut, Papa“, murmelte der Kleine. Ein Feuerwehrmann sprach mit einem Polizisten. Ich hörte die Worte: „Die Vordertür war von außen verriegelt. Wir haben einen Benzinkanister am Eingang gefunden.

Das war Brandstiftung. “ Jemand hatte versucht, uns zu töten. Die Kommissarin Bäcker zeigte uns ein Video, das unsere Nachbarin Frau Schmidt aufgenommen hatte. Eine dunkle Gestalt mit Kapuze schlich um unser Haus und goss Flüssigkeit aus.

Frau Schmidt hatte das Video Stefan geschickt, kurz bevor er mich anrief. Ohne sie wären wir nicht mehr am Leben. Die Kommissarin fragte, ob wir Feinde hätten. Wir verneinten.

Doch mein Herz schlug schneller. Am nächsten Tag kam meine Schwiegertochter Lena aus ihrer angeblichen Geschäftsreise zurück. Sie weinte, umarmte Stefan, aber in ihrem Spiegelbild sah ich einen kalten, wütenden Blick, der nicht zu einer besorgten Ehefrau passte. Sie stellte seltsame Fragen: Warum warst du im Krankenhaus?

Warum hast du Max abgeholt? Warum seid ihr früher zurückgekommen? Stefan erzählte mir, dass Lena angeblich auf einer wichtigen Geschäftsreise war und Max bei ihrer Cousine gelassen hatte. Doch ich rief die Cousine an: Sie hatte Lena die ganze Woche nicht gesehen und niemals auf Max aufgepasst.

Lena hatte gelogen. Die Kommissarin erkannte, dass das eigentliche Ziel des Brandanschlags mein Sohn war. Er sollte in dieser Nacht allein im Haus sein. Die Ermittler fanden heraus, dass Lena nie zur Geschäftsreise gefahren war.

Sie blieb in der Stadt und mietete ein schäbiges Hotel. Eine Überwachungskamera zeigte, wie sie um fünf Uhr morgens in einem Kapuzenpullover auscheckte. Der Taxifahrer erinnerte sich an sie: Sie ließ sich zu verlassenen Lagerhallen fahren und trug zwei zwanzig Liter Kanister, die angeblich gebrauchtes Speiseöl enthielten. Er fotografierte sie aus Sorge um seine eigene Sicherheit.

Lena wurde festgenommen. Im Verhör gestand sie alles: Sie hatte online gespielt, Schulden bei einer Mafia gemacht, die mit Gewalt drohte. Stefan hatte eine Lebensversicherung abgeschlossen, und sie war die Begünstigte. Sie plante den Mord an ihrem Ehemann, um die Versicherungssumme zu kassieren.

Sie verriegelte die Türen, verbarrikadierte die Fenster und zündete das Haus an, während sie zusah, wie die Flammen aufstiegen. Sie wurde wegen versuchten Mordes, Brandstiftung und Versicherungsbetrugs zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Wir verkauften das Grundstück und zogen in eine kleine Wohnung. Stefan brauchte Monate, um sich zu erholen, aber das Lachen seines Sohnes brachte ihn langsam zurück.

Er ließ sich scheiden und kämpfte um das Sorgerecht. Jeden Abend saß ich am Fenster und atmete ruhig. Die Flammen hatten unser Haus zerstört, aber nicht unsere Liebe.

Wir waren zusammen, und das genügte.