Leos Hand schoss vor und umschloss mein Handgelenk. „Ich habe dir gesagt, du sollst lächeln.“ Ich blinzelte nicht. In der Gießerei roch es nach Gin und billigem Blut. Ich wollte nur meine Schicht…

Leos Hand schoss vor und umschloss ihr Handgelenk. Sein Daumen bohrte sich in ihre Pulsader. »Ich habe dir gesagt, du sollst lächeln. «

Sadi blinzelte nicht.

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Die Luft in der Gießerei roch nach Gin, Zigarren und billigem Blut. Sie wollte nur ihre Doppelschicht beenden, ihre Miete zahlen. Ihr Verstand sagte: Diesen Job brauchst du. Aber ihr Körper erinnerte sich an Dinge, die der Verstand vergessen wollte.

Sie ließ ihren Arm schlaff werden. Als Leo sein Gewicht verlagerte, drehte sie ihr Handgelenk gegen seinen Daumen. Der Griff löste sich. Leo stolperte gegen die Bar, sein Gesicht lief dunkelrot an.

»Du dumme Schlampe«, knurrte er und griff in die Jacke. Das trockene metallische Klicken einer Waffe durchschnitt den Raum. Die Männer in der Nähe stoben auseinander. Sadi blieb stehen, die Füße schulterbreit, die Hände locker.

Sie berechnete die Distanz. Sie konnte seinen Kehlkopf zertrümmern, bevor er den Lauf hob. »Leo. « Die Stimme kam aus der VIP-Nische.

Ruhig, normal laut, aber sie traf wie ein Schuss. Leo erstarrte. Dominik beugte sich vor, die Ellbogen auf den Knien. »Steck sie weg.

Du blamierst dich genug, wenn dich eine Kellnerin entwaffnet. «

Leo schob die Waffe weg, stammelte etwas. Dominik ignorierte ihn. Seine schiefergrauen Augen hingen an Sadi.

Er hatte gesehen, wie sie den Griff gebrochen hatte. Er hatte gesehen, wie sie nicht gezuckt hatte, als die Waffe auftauchte. Und er hatte ihre Haltung gesehen. Im Käfig hinter ihm wurde der Kampf beendet.

Nox stand schwer atmend über seinem Gegner, die Knöchel rot. Die Menge brüllte. Dominik stand langsam auf, ging zur Bar. Aus der Nähe roch er nach Sandelholz und Gefahr.

»Wie ist dein Name? «

»Sadi. «

»Du sahst nicht verängstigt aus, Sadi. Die meisten Mädchen würden schreien.

Du sahst aus, als wolltest du meinen Leutnant mit einem Barhandtuch töten. «

»Ich habe ihm nur einen Drink eingeschenkt, Sir. «

Dominik lachte dunkel. Er drehte sich zum Raum um und zeigte auf den Käfig.

»Mein Junge ist gelangweilt. Niemand bringt ihn ins Schwitzen. « Dann sah er Sadi wieder an. Das Lachen wurde zu einem grausamen Lächeln.

»Du siehst zäh aus, Süße. Ich sag dir was: Du gehst drei Minuten mit Nox. Wenn du meinen Champion besiegst, heirate ich dich. «

Der Raum explodierte.

Männer schlugen auf die Tische, Frauen kicherten, Leo krümmte sich. Nox schlug sich auf die Brust und lachte. Sadi sah Dominik nur an. Unter dem Anzug und dem Grinsen sah sie einen Mann, der dachte, er wüsste alles über Gewalt.

Sie zog die Nadeln aus dem Haar. Die schwarze Masse fiel über ihre Schultern. Das Lachen erstarb in einzelnen Ecken. Sie band die Schürze ab, faltete sie zusammen und legte sie auf die Bar.

»Ich eröffne eine Rechnung«, sagte Sadi. Sie ging zum Käfig. Stieß die billigen Slipper ab, trat barfuß auf die klebrige Matte. Nox starrte auf sie herab.

»Kleiner Vogel. Geh nach Hause. Ich schlage keine Frauen. «

»Dann wirst du mich nicht treffen«, sagte Sadi.

Er griff nach ihr, eine riesige, vernarbte Hand. Sadi senkte ihren Schwerpunkt, glitt unter seinem Arm hindurch und schlug ihm die Handfläche in den Solarplexus. Sein Atem entwich mit einem heiseren Keuchen. Bevor er reagieren konnte, packte sie seinen Arm, ließ sich fallen und zog 260 Pfund Muskeln über ihre Hüfte.

Der Käfig klirrte, die Menge schnappte nach Luft. Nox brüllte vor Wut und wollte aufstehen. Aber Sadi war schon auf ihm. Sie schlang ihre Beine um seinen Hals, verhakte die Knöchel und streckte seinen rechten Arm über ihre Hüfte.

»Klopf ab«, zischte sie. »Oder er bricht. «

Nox weigerte sich. Er riss an ihr, versuchte sie abzuschütteln.

Sie drückte das Ellbogengelenk über die Belastungsgrenze. Das Geräusch des brechenden Knochens war laut, nass, endgültig. Nox schrie, dann kippte sein Körper zur Seite und blieb still liegen. Zehn Sekunden.

Sadi stand auf, glättete ihr Hemd und stieg aus dem Käfig. Im Club war es still wie in einem Grab. Sie ging zur Bar und band sich die Schürze wieder um. Dominik stand noch genau dort, wo sie ihn verlassen hatte.

Das Grinsen war weg. Sein Gesicht war eine Maske aus kaltem Schock. Sadi nahm einen Lappen und wischte den Tresen ab. »Ich bevorzuge Frühlingshochzeiten«, sagte sie.

»Aber wir müssen über das Catering sprechen. «

Dominik riss sich zusammen. »Räum den Club. Alle gehen nach Hause.

«

»Und das Mädchen? «, fragte Gideon. »Das Mädchen kommt mit uns. «

Sadi seufzte.

»Bin ich gefeuert? «

Dominik stieß ein scharfes Lachen aus. »Du bist gerade die teuerste Belastung meiner Organisation geworden, Süße. Du gehst nirgendwohin.

«

Im Geländewagen herrschte Schweigen bis zum Anwesen. In der Bibliothek schenkte Dominik Scotch ein und stellte ein Glas vor sie. »Wer hat dich geschickt? «

»Niemand.

Ich habe mich online beworben. «

»Spiel nicht mit mir. Du hast den Arm eines Mannes gebrochen, der in diesem Ring zwei Leute getötet hat. Das lernt man nicht im Fitnesskurs.

«

»Nein«, sagte Sadi. »Das habe ich nicht. «

»Bist du verdeckte Ermittlerin? «

»Wenn ich eine wäre, Dominik, wärst du schon in Kabelbindern.

Wenn ich eine Auftragskillerin wäre, würdest du auf dem Boden verbluten. Ich bin nur eine Frau, die ihre Schicht beenden und ihre Heizkosten bezahlen wollte. Du hast mich in deinen Zirkus geholt, um einen billigen Lacher zu bekommen. Jetzt bist du blamiert.

«

Dominik starrte sie an. Er suchte in ihren Augen eine Lüge, eine Angst, irgendetwas, das er greifen konnte. Er fand nur eine tiefe, knochenmüde Erschöpfung. »Reden wir über die Realität«, sagte er.

»Die Russen haben Millionen verloren. Nox wird nie wieder kämpfen. Wenn du nur eine Kellnerin wärst, würde ich dich mit einer Schleife verpackt übergeben. Aber ich habe vor allen Chefs geschworen, dass ich die Person heirate, die Nox besiegt.

Wenn ich mein Wort breche, bin ich schwach. Wenn ich schwach bin, ist es Krieg. «

»Du willst mich wirklich heiraten«, sagte Sadi. »Eine Transaktion.

Ein Vertrag. Du trägst den Ring, stehst an meiner Seite, lächelst für die Presse. Die Russen können dich nicht mehr anfassen, ohne einen Krieg gegen die ganze Familie zu riskieren. «

Sadi starrte ins Feuer.

Eine Ehe mit einem Mafiaboss. Verrückt. Aber die Leute, vor denen sie floh, würden niemals eine Mafia-Braut suchen. Es war die perfekte Tarnung.

»Was springt für mich raus? «

»Schutz. «

»Ich kann mich selbst schützen. Das habe ich heute Abend bewiesen.

Wenn ich deinen Namen tragen soll, will ich Bedingungen. «

Dominik sah sie an. »Nenn sie. «

»Getrennte Schlafzimmer.

Zugang zu einem sicheren Server, hochverschlüsselt, nicht zurückverfolgbar. Und du zahlst alle meine Schulden. Ich will aufwachen, ohne einem Menschen etwas zu schulden. «

Dominik lehnte sich zurück.

Das Kaminfeuer schnitt die Schatten aus seinem Gesicht. »Einverstanden. Wir heiraten am Samstag. Am Montag stellst du dich den Syndikaten vor.

Du lächelst, du bist höflich, du brichst niemandem den Arm. «

»Nur wenn jemand eine Waffe auf mich richtet«, murmelte Sadi. Am Freitag brachte der Juwelier Ringe. Er legte sechs Samttabletts aus, Diamanten in jeder Größe.

Sadi probierte einen massiven Kissenstein. Als sie die Faust ballte, grub sich die Fassung in ihre Hand. Sie zog ihn ab und warf ihn zurück. Der Juwelier wirkte, als würde er ohnmächtig.

Dominik sagte nur: »Zeig ihr das unterste Tablett. «

Dort lag ein schwerer Platinring, ein quadratischer Diamant bündig in das Metall eingelassen. Sadi schob ihn über den Finger und ballte die Faust. Glatt.

Sie nickte. Beim Anpassen des Kleides hielt Klara beim Maßnehmen inne. Sadi stand im BH, den Rücken der Schneiderin zugewandt. Klara flüsterte: »Oh mein Gott.

«

Sadi drehte sich nicht um. Sie wusste, was Klara sah: eine dicke, gezackte Narbe, die vom Schulterblatt zu ihrem Hosenbund lief. Die Spur einer Schusswunde, die niemand überleben sollte. »Messen Sie weiter«, sagte sie.

Die Tür öffnete sich. Dominik blieb stehen. Er konnte die Narbe sehen, die Geschichte darin, das Fieber, die Monate, in denen sie gelernt hatte zu atmen, ohne zu schreien. Er fragte nichts.

Er sagte zu Klara: »Das Kleid bekommt einen hohen Rücken. « Dann schloss er die Tür. Am Samstag regnete es. In einem muffigen Richterbüro heiratete Sadi Dominik Rousseau.

Der Richter schwitzte und tupfte sich die Stirn ab. Keine Liebe, keine Romantik. Nur zwei kalte Ja-Worte und der schwere Platinring an ihrem Finger. Auf dem Rückweg legte Dominik ein schwarzes Telefon auf die Mittelkonsole.

»Dein Server ist online. Deine Schulden sind bezahlt. Dein Vermieter denkt, du bist nach Seattle gezogen. «

Sadi umklammerte das Telefon.

Drei Jahre Schulden, Armut, Angst. Weg. »Danke«, sagte sie. »Dank mir nicht.

Am Montag will ich sehen, was du wirklich kannst. «

Die Gala im Hotel St. Regis glitzerte vor Kristall und Gefahr. Sadi trug ein Kleid aus schwarzer Seide, hoher Kragen, geschlossener Rücken.

Es war keine Mode, es war Rüstung. Sie hielt Dominiks Arm, während die Menge teilte und flüsterte. Dann kam Grigori auf sie zu. Ein massiver Mann mit rasiertem Schädel, begleitet von einem Dutzend Schläger.

»Das ist also die Braut, der kleine Vogel, der mein Spielzeug kaputt gemacht hat. «

»Nox war defekt«, sagte Sadi, laut genug, dass die Umstehenden es hörten. »Er verließ sich auf Schwung statt auf Hebelwirkung. Du solltest eine Rückerstattung verlangen.

«

Grigoris Kiefer mahlte. Er trat einen Schritt näher. »In meinem Land verlieren Frauen, die ungefragt sprechen, ihre Zähne. «

Dominik wollte vortreten, aber Sadi ließ seinen Arm los.

Sie trat vor, in Grigoris Reichweite, und senkte die Stimme. »In meinem Land, Grigori, finde ich in fünfundvierzig Minuten deine Offshore-Konten in Zypern, deine Briefkastenfirma in Nikosia und die Schiffscontainer in Odessa, von denen dein Chef nichts weiß. Wenn du mich noch einmal bedrohst, schicke ich diese Daten an deinen Pak. Er wird dir persönlich eine Kugel in den Kopf jagen.

Verstehen wir uns? «

Grigori erbleichte. Er sah die Frau im schwarzen Seidenkleid an, und in ihren Augen war keine Angst. Er nickte einmal, drehte sich um und ging.

Seine Männer folgten. Dominik blickte auf sie herab. »Zypern? «

»Dein Server ist schnell.

Russische Geldwäscher sind schlampig. «

Er lachte. Ein raues, echtes Lachen, das durch den Saal hallte. Alle hatten gesehen, wie Grigori zurückwich.

Die Botschaft war angekommen. Um zwei Uhr morgens saß Sadi in der Bibliothek, die Schuhe ausgezogen, die Füße auf dem Teppich. Dominik goss zwei Gläser Scotch ein. »Auf Zypern«, sagte er.

»Auf Hebelwirkung«, sagte sie. Er lehnte am Kaminsims und sah sie an. »Du hast ihn nicht geblufft. Du hattest die Daten schon dabei.

«

»Ich bin gründlich. Du wolltest einen Schild. Ich erwarte, dass er hält. «

»Dein Server bleibt an.

Deine Geister bleiben tot. Du stellst keine Fragen über meine Vergangenheit, ich stelle keine über deine. «

»Keine Fragen«, sagte Sadi. Er stellte ihr Glas auf den Tisch.

»Morgen bringt Gideon dir die Bücher der Operation im Süden. Die Capos haben Geld abgezweigt. Finde die Lücke. «

Zum ersten Mal seit drei Jahren fühlte Sadi sich nicht gejagt.

Sie lehnte den Kopf ins Leder und schloss die Augen. »Leg die Bücher bis acht auf meinen Schreibtisch. Und sag Gideon, er soll anständigen Kaffee mitbringen. Das Zeug in der Küche ist schrecklich.

«

Dominik grinste. »Willkommen in der Familie, Frau Russo. «